Outing 2 - Seht: So bin ich!

Der entscheidende Unterschied zum Homosexuellen liegt darin: Was "schwul" oder "lesbisch" bedeutet, weiß jedes Kind. Ein schwuler Mann schläft mit Männern, eine lesbische Frau mit Frauen und ein bisexueller Mensch mit beiden. Hat sich herumgesprochen, dieser oder jene sei homosexuell, weiß jeder Bescheid. Was tut aber ein SMler?

Obwohl das Klischee der Peitschen schwingenden weiblichen Domina und des winselnden männlichen Sklaven sich in der Öffentlichkeit hartnäckig als Sinnbild für "Sado-Maso" hält, wird es einige Leute geben, die nicht ganz so ignorant sind. Sie werden zum Beispiel eine Frau, die unter SM-Verdacht steht, vielleicht fragen: "Hattest Du schon einmal eine Peitsche in der Hand?" und auf eine verneinende Antwort weiter nachhaken - eine Frage, die jene RTL-Reporterin sich hat entgehen lassen, die Boxerin Regina Halmich interviewt hat. (Wer nicht weiß, unter welchen an den Haaren herbeigezogenen, gar fürchterlichen Beschuldigungen die prominente Dame zu leiden hatte, lese bei RP Online nach.)

Ein sich outender SMler könnte also die Frage zu hören bekommen: "Und was bist du? Domina oder Sklavin? Wirst du gepeitscht oder peitscht du selber?" Und wir wissen genau, die Antwort sagt a) mehr über uns aus, als uns lieb ist und sorgt b) für einen Erklärungsnotstand unsererseits, dem man sich wenn möglich nicht aussetzen will.

Dabei stellt sich die Frage, wie viel weiß ein "normaler" Mensch eigentlich vom "Sado-Maso-Sumpf", in dem wir angeblich stecken? Unsereiner, der sich täglich theoretisch oder praktisch, gedanklich oder körperlich mit SM beschäftigt, kann schlecht beurteilen, was SM für die Allgemeinheit bedeutet, abgesehen von der oben erwähnten Peitschen schwingenden Domina. Möchten wir erklären, was wir tun? Was wir dabei empfinden? Und warum? Haben wir wirklich die Zeit und die Lust, DAS jemandem begreiflich machen zu wollen, der außer ein paar Vorurteilen und Klischees nicht den Hauch einer Ahnung hat, was SM - ganz allgemein - bedeutet und was man dabei alles macht?

Es ist eine Sache, zu sagen "ich bin schwul und das ist auch gut so", wenn das für Papa und Mama nur bedeutet, dass es vermutlich keine Enkelkinder geben wird. Es ist eine andere, zu sagen "ich lasse mich schlagen, ich unterwerfe mich". Dann ist man plötzlich nicht mehr der starke und selbstbewusste Mensch, der man vorher war, sondern - was? Schwach? Kriecherisch? Weniger wert in den Augen derer, auf deren Respekt und Achtung es einem ankommt? Sklave für alle, nicht nur für den Partner?

Wie soll man jemanden klar machen, dass meine Demut, mein Masochismus nur für mich und meinen Partner von Bedeutung zu sein hat und für niemanden sonst? Dass ich kein anderer und schon gar kein schlechterer Mensch bin, nur weil ich gern die Peitsche spüre und mein Gegenüber das nun weiß? Dass ich ebenso wenig wie ein Schwuler oder eine Lesbe für das Rechenschaft abzulegen habe, was in meinem Bett passiert? Dass meine Neigung zu mir gehört wie meine Nase und keinen Stoff für Grundsatzdiskussionen bietet, die darauf abzielen, dass ich pervers bin und mich zu schämen habe?

Muss man stark sein, wenn man sich outet? Ohne Zweifel. Dass Prominente es lieber noch weit von sich weisen, eine "Sado-Maso-Braut" (Zitat Halmich) zu sein, als mit einem Lächeln und einem "Na und?" darüber hinweg zu gehen, sollte einem vielleicht zu denken geben.

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