Die große Langeweile

Einer der großen Vorteile einer festen Beziehung ist ohne Zweifel das tiefe Vertrauen zu- und ineinander, das sich im Laufe der Zeit einstellt. Man weiß, dass die Neigungen übereinstimmen, welche Grenzen verschoben werden können, welche Tabus für immer Tabus bleiben müssen und welche nicht. Ein anderes ist die Vertrautheit - man weiß genau, wie der eine bezüglich SM mit dem anderen umgeht. Dom kennt die Reaktionen seines Subs genau, er weiß, wie er Schmerzenslaute, Abweisung und Tränen auszulegen hat. Sub kennt die Techniken, die Dom an ihm anwendet, überblickt, welches Spielzeug er benutzen wird, und hat eine ungefähre Ahnung vom Ablauf des Spiels. Man probiert im Laufe der Zeit Neues aus, doch irgendwann hat man alle Alternativen ausgeschöpft, die außerhalb der Tabus von Sub und Dom liegen, die Schmerz- und Duldungsgrenze des Subs und die Sadismusgrenze des Doms sind erreicht. Man hat eine gewisse Bandbreite von Möglichkeiten, innerhalb der man sich bewegt und sich sicher und vertraut fühlt. Es gibt keine Überraschungen mehr, Sub muss keine Angst vor Unerwartetem haben, die Spannung hat sich gelegt.

Gähn.

Ist es einmal so weit und die große Langeweile hat sich eingeschlichen, kann man einfach so weitermachen. Vanille-Paare gehen samstags nach der Sportschau ins Bett, unsereiner verhaut sich um diese Zeit und geht dann ins Bett.

Oder lieber nicht?

Muss es denn immer Samstag Abend sein? Kann es nicht auch einmal Mittwochs nach der Arbeit stattfinden, sofern man nicht zu müde ist und die Kinder aus dem Haus sind? Früher war man doch auch spontan, was spricht dagegen, es heute immer noch zu sein?
Seid Ihr sicher, dass Ihr alles ausprobiert habt, was innerhalb Eurer Grenzen liegt? Es gibt bestimmt etwas, das Ihr noch tun könnt.

  • Habt Ihr jemals im Wald gespielt? Abgesehen davon, dass es dort Dinge wie Brennnesseln und Zweige gibt, die zu Spielzeug umfunktioniert werden können, kann man nie wissen, ob hinter einem Baum nicht doch ein Spanner lauert. Selbstverständlich darf Dom seinen gefesselten Sub nicht allein lassen. Aber er kann ja so tun, als ob.
  • Oder auf einer Fete? Es kann erregend sein, wenn Fremde einem zusehen und Subs Körper und Doms Schlagtechniken kritisch betrachten.
  • Wie wäre es mit einer Privatvorführung für ein befreundetes Paar? Tut so, als steht Ihr auf der Bühne, und nehmt die Wünsche des Publikums entgegen. Möglicherweise können die Zuschauer später mitspielen?
  • Benutzt Ihr eine Augenbinde? Oder Ohrstöpsel? Bestimmt fährt Sub der Schreck in alle Knochen und nicht nur dorthin, wenn er gefesselt ist, minutenlang nichts sieht und hört und plötzlich einen schmerzhaften Schlag spürt... oder einen Wachstropfen... oder das sanfte Streicheln einer Feder.

Seht Euch Eure Tabus noch einmal genau an. Sicher lässt sich hier und da mit Veränderungen, Kompromissen und ein bisschen Wagnis doch noch etwas machen.

  • Dom traut sich nicht, eine bestimmte Praktik aus Sub auszuführen? Vielleicht findet ihr einen befreundeten Dom, der ihm zeigt, wie das geht - vorzugsweise am anwesenden Sub. Möglicherweise drängt es Dom dazu, es selbst zu lernen, wenn er sieht, wie viel Spaß Sub am Schmerz hat.
  • Sub möchte ein bestimmtes Spielzeug nicht an sich spüren? Bittet einen Freund, Euch sein Spielzeug zu leihen, damit Dom es vorsichtig an Sub testet. Eventuell stellt er sich die Wirkung des Spielzeugs ganz anders vor, als sie tatsächlich ist. Oder Sub lehnt das Spielzeug nur deshalb so vehement ab, weil er sich verpflichtet fühlt, damit spielen zu müssen, wenn es erst einmal gekauft wurde.
  • Sub lehnt eine gewisse Praktik ab? Man muss es nicht so heftig angehen, wie man es auf SM-Hardcore-Seiten oder bei damit erfahrenen Leuten sieht. Klärt ab, wie diese Praktik ausgeführt wird und wie man es langsam und ungefährlich angehen kann. Je weniger Schmerz Sub bei einer Praktik zu fürchten braucht, um so leichter wird die Angst von der Neugier besiegt. Andersherum: Sobald Sub das Ausmaß des Schmerzes kennt, weiß er, wie viel Angst er haben muss bzw. darf.
  • Eine andere Möglichkeit für Dom wäre, das Tabu einfach während des Spiels zu brechen und abzuwarten, ob Sub das Spiel abbricht oder nicht. Allerdings darf Dom sich dann nicht wundern, wenn das Vertrauen seines Subs darunter leidet.

Teilt Eure Fantasien, redet miteinander. Vielleicht existiert im Kopf des anderen ein Wunsch, der im eigenen noch gar nicht aufgetaucht ist. Und: Es soll auch Dinge geben, die Spaß machen und nichts mit SM zu tun haben.

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