Topping from the Bottom - Der Wunschzettelsub

Was bedeutet "Topping from the bottom", eine Formulierung der amerikanischen BDSM-Szene? Wörtlich übersetzt etwa "Beherrschen vom Boden aus", beschreibt die Redewendung das Verhalten der Menschen, die wir "Wunschzettelsub" nennen: Einen Sub, der den Ton angeben und seinem Dom sagen möchte, was dieser zu tun und zu lassen hat, der bestimmen möchte, wie der Sub "bespielt" wird.


Nun gibt es jene, die sagen, Sub bestimmt ohnehin den Rahmen des Spiels - durch seine Tabus setzt er den äußeren Rahmen, durch seine Grenzen den inneren. Zu beider Zufriedenheit hält Dom sich an diesen Rahmen - lässt dieser ihm im Allgemeinen genug "Spiel"-Raum.


Der Wunschzettelsub geht jedoch darüber hinaus. Er bestimmt nicht den Rahmen, sondern den Ablauf. Er macht Dom zum Erfüllungsgehilfen seiner Fantasien und Vorlieben. Dazu nutzt er vorzugsweise das Element der Strafe. Er bringt seinen Dom durch absichtliches Fehlverhalten dazu, ihn zu bestrafen - und ihm den Schmerz, die Demütigung zuzufügen, die er wünscht. Oftmals besteht das Fehlverhalten aus reiner Provokation: "Du musst mich bestrafen, wenn ich mich schlecht benehme. Sonst dominierst du mich nicht, und ich gehorche dir nicht." Sub ist frech, aufmüpfig, gibt Widerworte - wohl wissend, dass es dafür die erwartete Strafe gibt.

Der Wunschzettelsub ist nicht mit dem Herzen, der Seele bei der Sache. Er begreift nicht, dass Subsein daraus besteht, Macht und Kontrolle abzugeben - und nicht nur so zu tun, als gäbe man Macht ab, weil einem gerade danach ist, beherrscht zu werden. Sub kann darum bitten, erzogen, gezüchtigt zu werden - verlangen, erwarten kann er es nicht. Er hat es Dom zu überlassen, ob und wann dieser züchtigen oder erziehen möchte. Ende der Durchsage.


Andererseits - mancher Dom betrachtet es bereits als "Topping from the bottom", wenn Sub das Ausmaß seiner Devotheit selbst auslegt (siehe "Devot - Ein Denkfehler?"). Er sieht sich schon als Wunscherfüller, wenn Sub sich nicht 24/7, voll und ganz unter seine Kontrolle begibt. Dabei möchte Sub durchaus Dom dienen und gehorchen, nur dabei sein eigenes Leben nicht völlig hintanstellen - zumal wenn Familie und Job vorhanden sind, die für Sub an erster Stelle kommen müssen. Ist es "Topping from the bottom", wenn Sub Ort und Zeitpunkt des Treffens bestimmt, weil er sich zuerst nach Kindern oder Arbeitgeber richten muss?


BDSM besteht aus Geben und Nehmen - Sub ist ungehorsam, damit Dom ihm zeigen kann, wo es lang geht. Sub möchte lernen, und Dom möchte lehren. Sub möchte Schmerz, und Dom möchte Schmerz zufügen. Ein Sub, der einen Dom als Erfüllungsgehilfen benutzt, zerstört dieses Gleichgewicht, ebenso wie ein Dom, der kein Verständnis für die Situation des Subs hat.

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