Wo die Liebe hinfällt - kann ein Sub Dominanz lehren?

Es hat seinen guten Grund, warum SMler sich in der Öffentlichkeit gern unter ihresgleichen bewegen. Zum einen braucht man seine Neigung nicht zu verbergen, wenn man unter sich ist, und muss nicht darauf achten, bestimmte Worte oder Wortspiele zu vermeiden. Zum anderen kann man sicher sein, dass die Menschen vom anderen Geschlecht, denen man in der "Szene" begegnet, keine Vanillas sind. Zwar stellt sich noch die Frage, ist er oder sie Sub oder Dom, aber diese Frage lässt sich schnell klären. Man braucht ja nur nach Kleinigkeiten Ausschau zu halten - einem Ring der 'O' beispielsweise. Ist ein SMler auf Partnersuche, wird er vermutlich zuallererst unter seinesgleichen suchen.

Aber das Schicksal geht bisweilen eigene Wege. Man besucht nichtsahnend irgendein Zusammentreffen von Vanillas, denkt sich "wenn Ihr wüsstet, was ich mache" und kommt plötzlich und unerwartet ins Gespräch mit jemandem, bei dem das Herz zu hüpfen anfängt. Und wie es dann eben so geht - man verabredet sich, man trifft sich wieder. Bevor man es sich versieht, hat man sich verknallt, und allem Anschein nach beruht das Gefühl auf Gegenseitigkeit. Vielleicht dauert es bis kurz vorm ersten Kuss, bis einem einfällt, huch, da war doch noch was...

Wenn man davon ausgeht, dass, wie Wissenschaftler behaupten, 5% der Bevölkerung sadomasochistische Phantasien haben und nur 10% davon diese ausleben, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich gering, dass dieser Mensch, in den man sich da völlig unpassend verliebt hat, zufällig ebenfalls SMler ist. Vermutlich gehört er eher zu den 95%, für die SM etwas völlig Abwegiges oder zumindest Unvorstellbares, Utopisches ist. Nun kann man drei Dinge tun - das nächste Treffen abblocken, irgendeine Ausrede finden, warum man diesen Menschen nicht wiedersehen will oder kann und sich schweren Herzens zurückziehen. Oder man versucht, ohne SM zu leben und zu lieben - man muss selbst wissen, ob und wie lange man das kann. Oder aber man geht das Risiko ein, und outet sich - in der Hoffnung, diesen Menschen und die eigene Neigung unter einen Hut zu bekommen.
Bloß wie?


Du... ich hab da ein Problem oder Butter bei die Fische

Der Vanilla-Mann, die Vanilla-Frau an sich möchte kuscheln, knutschen, zärtlich sein und Sex. Dieser kann härter oder sanfter ausfallen, aber im Prinzip war es das schon. Wie sagt man dem geliebten Menschen, dass ein bisschen Streicheln, und sei es noch so ausgiebig, einen nicht scharf machen wird? Jedenfalls nicht so, wie er es von früheren Partnern gewohnt war? Wie sagt man ihm, dass etwas fehlt, und vor allem was?

Zum einen kann man die direkte Methode wählen: Mund auf. Vielleicht reicht schon "Kannst du mich ein bisschen härter anfassen, ich hab nichts dagegen, wenn's mir weh tut." Vorausgesetzt, man ist nicht zufällig an einen brutalen Schläger geraten, der sein wahres Gesicht jetzt erst zeigt, sondern an einen Menschen, der zwei und zwei zusammenzählen kann, wird dieser nun ins Nachdenken kommen - oder gleich handeln. Hat man Glück, entdeckt dieser Mensch den dominanten Sadisten in sich von allein, wenn er sieht, wie viel Lust und Entzücken er mit Dingen wie Fesseln oder einen Klaps auf den Po auslöst. In diesem Fall muss man Geduld haben und langsam vorgehen - Vorschläge machen, Spielzeug zeigen (vielleicht erst im Internet) und abwarten, bis dieser Mensch die Dominanz an den Tag legt, mit der man leben kann oder sogar zufrieden ist.

Oder man muss ein bisschen ausführlicher werden. Sagen, dass man ihn ja lieb hat, dass man aber diesen sanften Streicheleinheiten nicht wirklich etwas abgewinnen kann. Dass man erst richtig auf Touren kommt, wenn es wehtut, und dass man gesagt bekommen möchte, wo es langgeht. Sollte er nun nachfragen "bist du etwa eine(r) von diesen Perversen?" hilft es nichts - die Antwort lautet "Ja. Bin ich." Worte wie "Devotismus", "auspeitschen" und "Sklave" sollte man anfangs vielleicht eher vermeiden, sie könnten den Partner überfordern. Wir alle, selbst die, die mit ihrer Neigung auf die Welt gekommen sind, mussten uns erst einlesen, bilden, schlaumachen. Wir können nicht von unserem Vanilla-Partner erwarten, dass er diese Dinge gleich versteht, wie wir sie verstehen.

Zum anderen kann man so tun, als entdecke man SM gerade erst selbst - dann genügen schon Andeutungen wie "Ich möchte mal wissen, wie das ist, wenn man gefesselt wird" oder zufällig auf eine SM-Seite im Netz geraten und murmeln "Oh, das sieht aber interessant aus". Diese Methode überfordert den Partner nicht, weil er kurz und bündig sagen kann "Mich interessiert das nicht". Dann weiß man wenigstens Bescheid - oder man braucht eine ganze Weile, bis man dahin kommt, wo man mit SMlern als Partner schneller hingekommen ist.


Mit der Tür ins Haus oder Achtung, Brechstange

Dies würde bedeuten, dass man gleich beim zweiten oder dritten Treffen, sobald man merkt, aus dieser Bekanntschaft könnte mehr werden, Klartext redet. "Hör zu, ich bin SMler. Genauer, ich bin Sub. Du weißt nicht, was das heißt? Gut, ich erklär's dir. Ich möchte geschlagen/unterworfen/erzogen werden. Das gehört für mich zu einer Beziehung und zum Sex dazu, ohne geht's bei mir nicht. Kannst du damit leben?"

Oder man setzt sich gemeinsam vor den Computer und zeigt ihm Seiten wie Lustschmerz oder Wikipedia. Dort kann er dann nachlesen, was SM bedeutet und was von ihm erwartet wird, sollte man zusammenfinden. Ist er entsetzt und schockiert, sind die Fronten geklärt und man weiß, woran man ist.


Also - Dominanz geht so

Hat man den Partner davon überzeugt, dass SM eine ganz anregende Thematik ist oder zeigt er sogar selbst reges Interesse, kann man abwarten, bis er sich durch oben genannte Seiten gelesen oder sich sonst wie schlau gemacht hat. Man kann ihn mit einem befreundeten Dom zusammenbringen und diesen bitten, dem neuen Schatz doch zu erklären, wie Doms zu handeln haben und wie Subs zu behandeln sind. Man kann ihn auf eine SM-Party schleppen und sagen "Guck mal. Das möchte ich auch". Oder man nimmt die Sache selbst in die Hand.

Nun liegt es im Wesen des Subs, den Mund zu halten und sich auszuliefern und Dom machen zu lassen. Das ist in diesem Fall etwas schwierig, da der Dom-Azubi nicht so recht wissen wird, was er machen soll oder darf oder kann. Er wird Angst haben, seinen Sub zu verletzen, seelisch und körperlich. Es bleibt einem nichts anderes übrig als ihm zu erklären, dass man es nicht falsch versteht oder als persönliche Kränkung empfindet, wenn er sagt "knie nieder und schweig, du unwürdiges Nichts", dass man bestraft werden möchte, dass es durchaus korrekt ist, wenn er sich sowohl Vergehen als auch Strafe selbst ausdenkt, dass Klammern, Gerten, Peitschen wehtun, aber nicht so weh, und dass sie vielleicht ein paar Spuren hinterlassen, aber nicht wirklich Schaden anrichten, und dass selbst die Spuren Teil des Vergnügens sind.

Es wird ein Weilchen dauern, bis er das Prinzip des Safeworts verstanden hat - dass es nicht wirklich schlimm ist, was er da macht, bis man "Stopp" oder "Kühlschrank" oder was auch immer sagt. Es hilft ihm sicher, wenn man "fester" oder "mehr" sagt, auch wenn man sich dabei eigentlich nicht so recht fallen lassen kann. Dann sollte man daran denken, dass er irgendwann einmal das Level erreicht haben wird, auf dem sein Sadismus, seine Dominanz und die eigene Devotheit, der eigene Masochismus übereinstimmen.


Und was, wenn nicht?

Hast du dem neuen Partner beigebracht, was du möchtest, durch die Blume oder geradeaus, und er sagt dir klipp und klar, dass er dich mag, dass du aber "so etwas" von ihm nicht erwarten kannst, musst du dich entscheiden. Reicht die Liebe aus, um auf SM zu verzichten? Kannst du ohne Schläge, ohne Unterworfenwerden glücklich sein? Oder kennst du dich selbst gut genug, um zu wissen, dass du ohne diese Zutaten zum Liebesspiel, zu deinem Leben nicht wirklich auskommen kannst? Dass du dir früher oder später einen Ausgleich suchen wirst? Dass du dann vor der Frage stehst, mache ich es heimlich oder sage ich ihm, dass ich mir jemanden zum Spielen suche, da er ja nicht will? In diesem Fall solltest du dir überlegen, was besser für dich, für euch ist - gleich einen Schlussstrich ziehen oder irgendwann riskieren, dass die Beziehung wegen deiner Neigung auseinander bricht.

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