Tränen lügen nicht - wenn Sub zum Heulen ist

Mancher Dom berichtet voller Stolz, er habe seinen Sub während eines Spiels zum Weinen gebracht. Der Nächste steht eher erschrocken daneben, wenn sein Sub plötzlich in Tränen ausbricht. Für den einen sind die Tränen seines Subs das Nonplusultra in einer Session, für den anderen ein Zeichen, das Spiel auf der Stelle abzubrechen.


Welche Gründe mag Sub fürs Weinen haben?

  • Sub empfindet den zugefügten Schmerz anders als sonst - nicht lustvoll, sondern einfach schmerzhaft.
  • Sub empfängt eine Strafe in Form von Schlägen o. ä., die er nicht als lustvoll verspüren kann.
  • Sub erlebt bestimmte Handlungen oder Anweisungen von Dom als außergewöhnlich demütigend.
  • Dom hat Worte benutzt, die Sub in besonderem Maß beschämen oder entwürdigen.

Sub könnte das Safewort benutzen oder um Gnade bitten. Weshalb unterläßt er dies?

  • Ein Safewort beendet das Spiel, eine Bitte um Gnade mag erhört werden. Doch beides kann von Sub nicht gewollt sein. Manchmal braucht Sub den Schmerz als Schmerz und nicht als Lustmacher.  Er überlässt seinem Dom die Macht, ihn derart zu peinigen, zu demütigen, dass er aus dieser Hingabe Wohlgefühl gewinnt.
  • Sub nimmt die Strafe, die Demütigung an, er hat sie verdient - und er fühlt sich so entwürdigt, so verletzt, wie Dom es beabsichtigt hat. Er gibt seinem Dom das Recht, ihn zu beschimpfen und zu verspotten, und er leidet darunter. Er nimmt Doms Worte persönlich. Möglicherweise reißt Dom Wunden auf, von denen Sub selbst nicht wusste, dass sie vorhanden sind.

Haben Sub und Dom eine solche Situation erlebt und wissen nicht recht, wie sie damit umgehen sollen, könnte das helfen, was meistens hilft: Ein Gespräch.

Sub sollte Dom klarmachen, dass das Spiel weiterlaufen kann, solange das Safewort nicht gefallen ist, dass Sub es nicht so meint, wenn er um Gnade bittet oder wimmert, und dass Dom schließlich Trost schenken kann - wenn er möchte.

Dom sollte nachfragen, weshalb bestimmte Handlungen oder Worte eine solche Reaktion hervorgerufen haben. Es kann sein, dass Sub in seiner Kindheit eine ähnliche Situation erlebt und diese lange verdrängt hat - auch Kinder werden geschlagen und gedemütigt.


Die Gefahr besteht, dass Sub von allein nicht aus dem Spiel herausfindet. Er empfindet die Strafe, die Demütigung als so umfassend, dass dies für ihn kein lustvolles Spiel mehr ist - nicht sein Körper wird geschlagen, sondern seine Seele; nicht der Sub ist gemeint, sondern die Persönlichkeit. Er wird von dem Menschen, den er liebt und dem er vertraut, gezüchtigt oder gedemütigt, und tief in sich fleht er um Erbarmen - nur gelangt diese Bitte nicht in Form eines Safeworts oder einer Bitte um Gnade nach außen.

Das Phänomen den Subs, der das Safewort nicht aussprechen kann, ist ebenso bekannt wie für Doms unbegreiflich. Sub hat in dieser Situation nicht mehr den Willen und die Kraft, das Spiel enden lassen zu wollen, er gibt sich dem Schmerz hin und versinkt darin, so lange, bis er zerbricht, wenn Dom nicht rechtzeitig einschreitet.

Den Moment zu erfassen, bevor Sub abstürzt, dürfte wohl eine der schwierigsten Aufgaben eines Doms sein. Ein Patentrezept hierfür gibt es nicht - lieber sollte Dom seinen Sub gegen dessen Willen aus tiefster Konzentration reißen, als einen Absturz zu riskieren, der womöglich Sub auf Dauer die Lust am Spiel verleidet.


Tränen sind ein Zeichen von Vertrauen, von Offenheit - ein Ausdruck von allertiefsten Gefühlen, und diese offenbart man nicht jedem.

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